Zukunftssicherheit – für welche Zukunft eigentlich?
Eines der meistdiskutierten Themen im Zusammenhang mit modernen Webstandards wie die Trennung von Inhalt und Layout ist die Zukunftssicherheit von Internet-Seiten. Wann muss eine WebSite auf Grund neuer Entwicklungen überarbeitet werden, damit sie in den aktuellen Browsern funktioniert?
Allgemein herrscht die Meinung, dass Internet-Seiten nur dann zukunftssicher sind, wenn sie nach modernen Webstandards erstellt werden. Nun, auch dazu habe ich natürlich meine ganz eigene Meinung.
Nach meiner Meinung ist Zukunftssicherheit nur dann gegeben, wenn man mit abgeschlossenen Standards arbeitet, die nicht mehr weiterentwickelt werden, wie html 4.01. Dieser Standard wird mittlerweile von den meisten Browsern korrekt umgesetzt. Und da an diesem Standard nicht mehr gewerkelt wird, nicht von den Browserherstellern und auch nicht vom W3C, ist html 4.01 zukunftssicher. Auch CSS Level 1 wird von den meisten Browsern ordentlich interpretiert und angezeigt, so dass man auch hier von einem relativ sicheren Standard sprechen kann. Bei den höheren Levels (2 und 3) wird es schon schwieriger, denn:
Wann beginnt eigentlich die Zukunft?
In 5 Jahren, in 10 Jahren? Die Zukunft beginnt gerade, in einer Minute, einer Stunde, spätestens morgen, aber eigentlich in diesem Augenblick.
Und gerade in diesen Tagen ist CSS, die Sprache, mit der in Zukunft das Layout einer Seite gestaltet werden soll, alles andere als zukunftssicher. Jedenfalls für die Zukunft, die in diesem Augenblick beginnt.
Nachdem die Browser gerademal soweit sind, CSS1 und mit Einschränkungen CSS2 ordentlich darzustellen, erwartet uns nun CSS3, was aber kaum ein verbreiteter Browser unterstützt. Welcher Browser wann was ordentlich umsetzen wird, steht in den Sternen. Man wird noch jahrelang mit CSS3 zwar experimentieren können, sollte aber sehr vorsichtig sein mit dem veröffentlichen.
Aktuelle Browserstatistiken sehen den Internet Explorer 5.xx bis 6.xx (IE 5/6) bei insgesamt 50-70%, keine dieser Versionen beherrscht CSS2 in einem annehmbaren Umfang. Der Internet-Explorer 7 (IE7) ist noch nicht heraus, und was der kann und was nicht, wird sich erst noch zeigen.
Wir sollten nie vergessen, dass unser eigentliches Publikum Leute sind, die neue Software nur mit einem neuen Computer kaufen. Die nehmen den Computer einfach so, wie er ist (fast jeder Computer ist heute von Haus aus recht komplett ausgestattet). Dass das so ist, zeigt uns der hohe Anteil des IE5 in den Statistiken. Wir werden noch jahrelang mit Browsern leben müssen, die CSS2 nicht ordentlich umsetzen, und genau das müssen wir bei der Erstellung unserer Internet-Seiten beachten.
Wie gesagt, die Zukunft beginnt in diesem Augenblick!
IE5/6, IE7 und CSS (-Hacks)
Ausgerechnet der IE6, der wohl meistverbreitete Browser der Welt, hat so seine Probleme mit CSS, und zwar unter anderem genau mit dem Teil von CSS, der das Tabellenlayout ersetzen soll. Die Folge davon sind sogenannte CSS-Hacks, das sind spezielle Programmierungen für bestimmte Browser.
Da wird zum Beispiel dem Browser vorgetäuscht, dass der Befehl an einer bestimmten Stelle zu Ende ist. Der Browser setzt dann alles folgende nicht mehr um, andere Browser aber schon. Es gibt dutzende CSS-Hacks für die verschiedensten Browser, ganz besonders viele jedoch für den Internet Explorer.
Nun kommt der IE7 ins Spiel: Der IE7 wird CSS2 und teilweise CSS3 unterstützen und standardkonform darstellen, was zur Folge hat, dass die IE-CSS-Hacks plötzlich zum Ärgernis werden, weil sie auf einmal im IE7 zu Darstellungsfehlern führen. Entfernt man diese Hacks aus dem CSS, um eine ordentliche Anzeige im IE7 zu erreichen, gibt es natürlich wieder die Probleme mit den älteren Versionen des IE, wegen denen ja die Hacks erfunden wurden. Da wir nun aber, wie bereits erwähnt, noch ein paar Jahre mit den verschiedenen Versionen des IE werden leben müssen, ergeben sich hier gravierende Probleme.
Jede Menge Internet-Seiten stehen vor einer Überarbeitung, wenn der IE7 ausgeliefert wird. Die Hacks einfach entfernen geht nicht, da die alten Versionen des IE ja nicht von heut auf morgen verschwinden. Es wird neue Hacks geben, die in allen Versionen zu einem ordentlichen Ergebnis führen. Aber wer soll das bezahlen? Der Webdesigner? Der Kunde? Microsoft ganz bestimmt nicht.
Zukunftssicher? Vielleicht für die Zukunft, die in 5 Jahren anfängt. Da sind doch wohl eher meine Seiten zukunftssicher (html 4.01, Tabellenlayout und vorsichtiger Einsatz von CSS Level 1), jedenfalls für die Zukunft, die gerade beginnt, und für die nächsten 5 Jahre.
Fazit
Das Ziel meiner Arbeit ist, dass die von mir erstellten Internet-Seiten in möglichst vielen, auch alten Browsern ordentlich aussehen und bedienbar sind. Seiten für Internet-Browser, die neueste Webstandards ordentlich verarbeiten und anzeigen, werde ich dann machen, wenn diese Browser auch eine ordentliche Verbreitung erreicht haben, also vielleicht in 5 Jahren.
Bis dahin bleibe ich bei meinen konservativen Internet-Seiten, im abgeschlossenen html 4.01 Standard geschrieben, mit Layout-Tabellen und vorsichtigem Einsatz von CSS Level 1, so dass auch der Netscape 4.x noch eine ordentlich formatierte Seite herausgibt.
Dass hier so manchem professionellen Webdesigner die Haare zu Berge stehen werden, ist mir klar. Aber ich mache meine Seiten nicht, um die Entwicklung des Internet und die möglichst schnelle Verbreitung der neuesten Webstandards voranzutreiben, sondern ausschliesslich für mich und meine Kunden.
Irgendwo gelesen und für gut befunden:
Der beste und effektivste CSS-Hack ist eine Tabelle …
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Mittwoch, 12. April 2006, 15:40 Uhr



