Respekt für Frau Ypsilanti?

Eigentlich wollte ich mich ja mit dem Hickhack in Hessen nicht mehr beschäftigen, aber was ich am Wochenende so nebenbei zu hören bekommen habe, kann ich nun doch nicht unkommentiert lassen:

Herr Müntefering war sich nicht zu blöd zu sagen, die Entscheidung von Frau Ypsilanti, bei den nun wohl doch anstehenden Neuwahlen nicht als Spitzenkandidat der hessischen SPD anzutreten, verdiene "Respekt". Habe ich da eigentlich richtig gehört?

Sehr geehrter Herr Müntefering, Respekt hätte Frau Ypsilanti verdient, wenn Sie Anfang des Jahres respektiert hätte, dass die CDU mit Herrn Koch an der Spitze zwar knapp, aber eben doch mehr Stimmen bekommen hat als sie.

Respekt hätte sie vielleicht noch verdient, wenn Sie nach ihrem ersten gescheiterten Versuch, unter Tolerierung der SED, Verzeihung, der Linken, eine Minderheitsregierung auf die Beine zu stellen, den Rückzug angetreten hätte.

Statt dessen bezeichnet sie es heute als Fehler, mit einer klaren Koalitionsaussage in den Wahlkampf gegangen zu sein. Nämlich mit der Aussage "Nicht mit den Linken", egal in welcher Form, ob als Koalition oder unter Tolerierung.

Sehr geehrte Frau Ypsilanti, können Sie sich vielleicht vorstellen, dass es für viele Mitglieder Ihrer Partei und auch für viele Ihrer Wähler wichtig ist zu wissen, ob sie mit Ihrer Stimme eventuell die Linken in die Regierung wählen? Und zwar möglichst vor Abgabe der Stimme?

Allerdings verstehe ich auch die vier Quertreiber nicht so ganz. Es liegt doch in der Natur einer Demokratie, dass Mehrheiten beschliessen und die Minderheiten das dann akzeptieren müssen, auch innerhalb einer Partei, bis zu einer gewissen Grenze. Wenn diese Grenze soweit überschritten ist, dass mir mein Gewissen die Parteidisziplin verbietet, wenn also die Mehrheit der Partei etwas beschliesst, was ich mit meinem Gewissen absolut nicht vereinbaren kann, dann bleibt als Konsequenz doch eigentlich nur der Austritt aus dieser Partei. Aber das müssen die vier mit sich selbst ausmachen.

In die Neuwahlen wird die hessische SPD nun ohne Koalitionsaussage gehen. Das könnte dann tatsächlich zur Folge haben, was ich schon in einem früheren Artikel geschrieben habe:

Es reicht nicht für schwarz-gelb, es reicht auch nicht für rot-rot, und so bestimmen die Grünen, ob Hessen bürgerlich-konservativ oder rot regiert wird …

Montag, 10. November 2008, 16:09 Uhr

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