Es war nicht alles schlecht in der DDR

Wenn ich diesen Satz höre, platzt mir regelmässig der Kragen. Dieser Satz hat so ziemlich die gleiche Aussagekraft wie "Im Wodka ist Alkohol".

Natürlich war nicht alles schlecht in der DDR. Nichts in dieser Welt ist nur schlecht oder nur gut. 100% ist ein theoretischer mathematischer Begriff, der in der Praxis nicht vorkommt.

Auf solche Sätze greift man in der Regel zurück, wenn etwas mit absolut nichts mehr zu verteidigen ist. Die Aussage "Es war nicht alles schlecht …" stimmt immer irgendwie und ist eigentlich nicht zu widerlegen.

Wenn man aber diesen Leuten entgegnet "Es war auch nicht alles schlecht im dritten Reich", sieht man sich sofort einem Aufschrei der DDR-Nostalgiker ausgesetzt. Man kann doch die DDR nicht mit dem dritten Reich gleichsetzen!

Selbstverständlich verbietet sich solch ein Vergleich. Ein System, das die ganze Welt in einen mörderischen Krieg gezogen und den Völkermord an Millionen von Menschen zu verantworten hat, kann man ganz sicher nicht mit der DDR gleichsetzen.

Darum geht es aber doch gar nicht bei dieser Aussage. Es geht darum, die Unsinnigkeit einer solchen Aussage klarzustellen, egal, ob sie auf die DDR oder auf das dritte Reich bezogen ist.

Das muss auch den Machern der MDR-Sendung "Fakt ist …" vom 07.04.2008 klar gewesen sein. Deshalb haben sie die Frage etwas konkreter gestellt und ihre Zuschauer gleich per Telefon abstimmen lassen. Die Frage lautete ungefähr so:

"Hatte die DDR mehr gute oder mehr schlechte Seiten?"

Das Ergebnis dieser Abstimmung hat mich allerdings schockiert. 78% der Anrufer waren der Meinung, dass die DDR überwiegend gute Seiten hatte. Das ist natürlich eine konkrete Aussage. Da kann man nur hoffen, dass das Ergebnis dieser Umfrage nicht repäsentativ für den Bevölkerungsdurchschnitt ist.

Jetzt höre ich lieber auf, bevor ich ausfällig werde …

Mittwoch, 9. April 2008, 10:45 Uhr

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2 Kommentare zu “Es war nicht alles schlecht in der DDR”

  1. Schulenburg, Bernd
    Am 17. März 2010 um 12:22 Uhr

    Die DDR erhielt sich am Leben durch den Bau der Mauer, die sie in ihrer verlogenen Art als “Antifaschistischer Schutzwall” bezeichnete. In ihr herrschte Willkür, Unterdrückung, Verfolgung und Freiheitsberaubung. Mit der Mangelwirtschaft, deren Zusammenbruch voraus zu sehen war, konnte man sich arrangieren. Wer mit der Lüge leben konnte, und wer Brechts Ausspruch: “Der Mensch lebt nicht vom Brot allein!” ignorierte, fühlte sich in diesem Regime wohl. “Erst kommt das Fressen und dann die Moral!” bestätigt sich wohl, hier wie da, immer wieder.

  2. GE (admin)
    Am 17. März 2010 um 13:58 Uhr

    Wobei das mit dem “Fressen” ja heute auch irgendwie besser ist ;-)