Die Telekom Aktie und das Geld anderer Leute

Gestern eine der Topmeldungen in allen Medien: 17.000 Aktionäre klagen gegen die Telekom. Die Telekom- (Weh-) Kläger, die im Jahr 2000 beim 3. Börsengang der Telekom Aktien für 63,50 EUR erworben haben, wollen eine Entschädigung für erlittene Kursverluste einklagen.

Da frage ich mich doch, ob die gleichen 17.000 Aktionäre heute, wenn der Kurs der T-Aktie um das 5-10fache gestiegen wäre, der Telekom anbieten würden, den Kursgewinn an die Telekom zu überweisen? Ich glaube eher nicht!

Da wollen sich also 17.000 Spekulanten ihre Spekulationsverluste von der Telekom ersetzen lassen. Warum nenne ich diese Aktionäre Spekulanten?

Warum man eine Aktie kauft

Eine Aktie ist ein Anteil an einem Unternehmen. Mit dem Kauf einer Aktie wird man Miteigentümer eines Unternehmens. Das tut man, um am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens zu partizipieren, was durch die Ausschüttung der Gewinne an die Aktionäre in Form einer Dividende pro Aktie geschieht. Das SOLLTE zumindest der Grund für den Kauf von Aktien sein.

Die meisten Aktien werden an der Börse gehandelt, der Kaufpreis ergibt sich aus Angebot und Nachfrage und fundamentalen Unternehmensdaten. Und natürlich aus den Erwartungen der Anleger an die Entwicklung des Unternehmens in der Zukunft.

Wenn man eine Aktie kauft, nur um sie später zu einem höheren Preis wieder zu verkaufen, dann nennt man das Spekulation. Wenn man ein seriöse Geldanlage im Sinn hat, kann man eigentlich ganz einfach ausrechnen, wieviel Geld man für eine Aktie ausgeben kann, wenn man eine bestimmte Kapitalverzinsung anstrebt:

Man nimmt einfach die in den letzten Jahren durchschnittlich gezahlte Dividende und setzt sie zum aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis. Wenn ich z. B. die Dividende mit 20 multipliziere, bekomme ich den Aktienpreis, bei dem ich 5% Dividendenrendite erziele, vorausgesetzt, die Dividende bleibt in den nächsten Jahren gleich.

Man sollte aber daran denken, dass die Mehrheit der Aktionäre auch bei guter Geschäftslage mal entscheiden kann, auf die Auszahlung einer Dividende zugunsten von Investitionen zu verzichten.

Die Telekom-Aktie im Jahr 2000

Wie sah es im Jahr 2000 mit der Telekom-Aktie aus?

1996 wurde eine Dividende von 30 ct gezahlt, 1997 bis 1999 waren es ca. 60 ct. Ein seriöser Anleger ohne spekulative Hintergedanken hätte also bei einer Renditeerwartung von 5% maximal 12 EUR für eine Telekom-Aktie ausgegeben.

Die Telekom- (Weh-) Kläger von heute haben 63,5 EUR für diese Aktien bezahlt. Unter der Voraussetzung einer gleichbleibenden Dividende von 60 ct / Aktie wäre das ein Investment mit einer zu erwartenden Rendite von weniger als 1%. Das kann nicht der Beweggrund für den Kauf der Telekom-Aktien gewesen sein, da hätten die Anleger ihr Geld auch auf dem Sparbuch lassen können. Da liegt es sicher und bringt mehr. Oder haben die wirklich gedacht, dass die Dividende auf 3 EUR und mehr steigt, um wenigstens 5% Rendite zu erzielen?

Wenn man schon die Geldanlage "Aktie" wählt, die ja grundsätzlich mit dem Risiko des Totalverlustes behaftet ist, dann will man doch wenigstens mehr Rendite erzielen als mit sicheren Anlageformen.

Ich bin mir also ziemlich sicher, dass die Aktienkäufer des 3. Börsenganges im Jahr 2000 anderes im Sinn hatten. Die haben gewusst, dass der Aktienkurs Anfang 2000 bei über 100 EUR gelegen hat, und sind von einem vorübergehenden Tief des Kurses ausgegangen. Somit haben sie die Aktien im Vertrauen auf wieder steigende Kurse gekauft, also nicht als Investment, sondern als Spekulationsobjekt.

Und deshalb nenne ich diese 17.000 (weh-) klagenden Aktionäre "Spekulanten"! Sie wollten an das Geld anderer Leute und können es nicht verkraften, dass nun andere Leute IHR Geld haben!

Oder sie wussten nicht, was sie tun.

Das Geld anderer Leute

An der Börse wird nämlich nur gehandelt. Es werden keine Werte und kein Geld geschaffen oder vernichtet, auch wenn die Telekom-Aktionäre des 3. Börsenganges das so empfinden mögen. Wenn eine Aktie auf 0 fällt, dann ist das Geld nicht weg, das hat nur ein anderer.

Jeder, der an der Börse mit Aktienkursen spekuliert, will an das Geld der anderen. Das ganze ist ein Nullsummenspiel, wenn man die Aufschläge mal vernachlässigt, die Händler und Börsenmakler müssen schliesslich auch Geld verdienen.

Wenn ich an der Börse mit Aktienhandel gewinne, dann MÜSSEN andere verlieren, anders geht es nicht!

Das Geld wird an der Börse also lediglich umverteilt. Wenn von heut auf morgen keiner mehr Aktien kaufen wollte, die Nachfrage also auf 0 fallen würde, würden auch alle Aktienkurse auf 0 fallen. Theoretisch würde das an der Situation der Unternehmen nichts ändern, nur die Umverteilung von Geld an der Börse wäre beendet. Wer seine Aktien verkauft hat wäre der Gewinner, die Aktieninhaber die Verlierer. Jedenfalls unter spekulativen Gesichtspunkten. Die Aktieninhaber sind ja immer noch Miteigentümer des jeweiligen Unternehmens und bekommen die jährliche Dividende. Sie sitzen in diesem theoretischen Fall lediglich in ihrem Investment fest, da sie die Aktien nicht verkaufen können.

Die Vowürfe an die Telekom

Die Vorwürfe an die Telekom mögen moralisch teilweise gerechtfertigt sein, rein rechtlich halte ich sie jedoch für zweifelhaft. Wer etwas verkaufen will macht Werbung, das ist doch das normalste von der Welt.

Die Telekom hat im Jahr 2000 Aktien zum aktuellen Kurs ausgegeben. Jeder konnte nachrechnen, die Dividenden der letzten Jahre waren bekannt. Trotzdem waren die emittierten Aktien 3,5-fach überzeichnet! Wenn ich Telekom gewesen wäre, ich hätte den Preis noch weit höher getrieben!

Der Kleinanleger im Aktienrausch hat das möglich gemacht.

Wenn der an der Börse gewinnt, fühlt er sich clever, er hat zum richtigen Zeitpunkt die richtige Entscheidung getroffen. Es ist ausschliesslich sein Verdienst und seine Cleverness.

Wenn er dagegen verliert ist er betrogen worden, mit falschen Versprechungen zum Aktienkauf verleitet, auf keinen Fall ist es seine Schuld, und er möchte von den Schuldigen entschädigt werden.

Die Telekom-Aktionäre des 3. Börsenganges

Wenn die Telekom-Aktienkäufer von 2000 die Aktien als Investment gekauft haben, sollten sie eigentlich zufrieden sein. Sie haben eine Aktie für 63,5 EUR gekauft, die in den letzten 3 Jahren 60 ct Dividende gebracht hatte. 2005 und 2006 hat die Telekom-Aktie 72 ct gebracht, für 2007 sind 78 ct Dividende in Aussicht gestellt.

Ihre Dividendenrendite hat sich von 0,98% auf 1,23% erhöht (62 ct im Jahr 2000, 78 ct im Jahr 2007), das entspricht einer Steigerung der Rendite um 25%! Das ist zwar immer noch kein Top-Investment, aber das hätten die Telekom-Aktionäre des 3. Börsenganges halt vorher nachrechnen müssen.

Sie haben jetzt das, was sie gekauft haben, aber mit 25% höherer Rendite. Solange sie die Aktien nicht verkaufen, haben sie auch keinen Verlust. Niemand hat sie gezwungen, die Aktien zu kaufen, und niemand zwingt sie, die Aktien wieder zu verkaufen.

Sie können ja ihre Bilanz aufbessern, indem sie ein ordentliches Aktienpaket nachkaufen. Derzeit kostet die Telekom-Aktie etwas über 11 EUR, was bei einer Dividende von 78 ct einer Dividendenrendite von mehr als 7% entspricht!

Andere Aktionäre hatten nicht so viel Glück. Deren Unternehmen sind pleite, Aktienwert 0, Dividende 0 und keine Aussicht auf Besserung.

Da geht es doch den (weh-) klagenden Telekom-Aktionären des 3. Börsenganges wesentlich besser. Sie bekommen mehr Dividende als bei Kauf ihrer Aktien, und sie können die Aktien sogar noch verkaufen. Natürlich für weniger Geld, als sie ausgegeben haben, sie sitzen also schon ein wenig auf ihren Spekulationsobjekten fest. Aber sie können weiterhin auf steigende Kurse hoffen.

Die Telekom-Aktionäre des 3. Börsenganges haben lediglich die Aussicht auf das schnelle Geld verloren, die Aussicht auf das Geld anderer Leute.

Dienstag, 8. April 2008, 18:20 Uhr

zum Kommentar-Eingabeformular (Kommentare überspringen) »

2 Kommentare zu “Die Telekom Aktie und das Geld anderer Leute”

  1. Mira
    Am 28. April 2010 um 00:24 Uhr

    Für uns war es ein riesen Fehltritt :-(

  2. GE (admin)
    Am 28. April 2010 um 09:28 Uhr

    Ja klar, für die Betroffenen ist es ärgerlich.

    Ich habe Geld mit anderen Aktien verloren, aber das war MEINE Schuld, und ich beklage mich nicht. Gezockt – verloren – abgeschrieben.

    Das ist es, worum es in diesem Artikel geht.


Schreibe einen Kommentar




Spamschutz

Das Ergebnis muss als Zahl (Ziffern) eingetragen werden.