Der neue Browserkrieg

Eigentlich dachte ich, die Zeiten des Browserkrieges wären vorbei. Jedenfalls gehören Sprüche wie "Diese Seiten sind optimiert für …" schon seit einigen Jahren der Vergangenheit an. Den Browserkrieg der 90er Jahre hat eindeutig der Internet Explorer (IE) gewonnen.

Es scheint aber Leute zu geben, die einen neuen Browserkrieg vom Zaun brechen wollen. Diesmal ist das Motto "Alle gegen den IE". Erinnert mich irgendwie an Don Quichotte und seinen Kampf gegen die Windmühlen.

Dieser "neue Browserkrieg" kommt in Form von fragwürdigen Kampagnen daher, wie z. B.

Die Inhalte dieser Kampagnen reichen von "Lasst doch unsere genialen Seiten im IE aussehen wie sie wollen" bis zu "IE aussperren".

Ersteres ist zwar akzeptabel, aber nach meiner Meinung unklug. So kann man vielleicht mit dem Netscape 4.x umgehen, mit dem IE6 aber noch nicht.

Das zweite ist dann schon nicht mehr akzeptabel, das zeugt von einer gewissen Ignoranz gegenüber Leuten, die das Internet zwar gerne nutzen, aber nicht als ihren Lebensinhalt betrachten.

Bemerkenswert ist, dass solcher Unfug von Leuten kommt, die ansonsten Barrierefreiheit und browserunabhängiges Webdesign propagieren.

Microsoft (MS) hat mit seinem IE vieles richtig gemacht, was sich leider durch das Erscheinen anderer Browser und falsche Webstandards nicht durchsetzen konnte.

1. Beispiel: Das IE-Boxmodell war RICHTIG! Width definiert die Gesamtbreite der Box, padding und border liegen innen, margin aussen. Das kennt man auch aus dem richtigen Leben. Die Bebauungsgrenze von Grundstücken (meist 3 m) liegt innerhalb der Grundstücksgrenze (padding), und wenn ich eine 2 m dicke Mauer baue (10 px border), muss ich das auch auf meinem Grundstück (also innerhalb von width) machen. Wie kann man nur auf die Idee kommen, padding und border ausserhalb von width zu platzieren?! (css-Boxmodell)

Richtig lustig wird es erst werden, wenn mit css 3 content-box und border-box kommen! Wie lange wird es dauern, bis das alle Browser wissen? Wer heute html für die Zukunft schreibt, wird nicht darum herumkommen, durch Verschachtelung von 2 Boxen width und float (äussere Box) von padding, border und margin (innere Box) zu trennen. Und dieses Boxmodell-Chaos schreibe ich nicht IE und MS zu, sondern dem falschen CSS-Boxmodell, das sich leider durchgesetzt hat.

2. Beispiel: Man kann Schriften in px (absolut) oder in % oder em (relativ) formatieren. Warum eigentlich, wenn dann die Browser beides gleich behandeln? Wenn ich als Designer dem Browser sage, die Schrift soll 12px gross sein, dann soll sie auch nicht vergrössert werden. Hier ist der IE der einzige Browser, der sich richtig verhält. Alle anderen Browser nehmen mir eine Gestaltungsmöglichkeit, wenn sie in px definierte Schrift vergrössern. Es ist Sache des Designers, Fliesstext NICHT in px zu definieren. Der Browser hat einfach nur die Anweisung des Designers zu akzeptieren, und das tut nur der IE.

Mit dem aufkommenden Seitenzoom wird sich dieses Problem allerdings von selbst erledigen.

3. Beispiel: Der IE 7 zoomt beim Seitenzoom eine im body platzierte Hintergrundgrafik nicht mit, und das ist auch gut so. Das gibt mir eine weitere Gestaltungsmöglichkeit. Wenn ich will, dass die Hintergrundgrafik mit gezoomt wird, kann ich ja dem body margin:0 geben und die ganze Seite in ein div packen. Wenn ich dann die Hintergrundgrafik in diesem div platziere, wird sie auch mit gezoomt. Ich als Designer kann nun entscheiden, ob die Hintergrundgrafik mit gezoomt werden soll oder nicht.

Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich rede hier nicht von Sicherheitslücken oder Bugs wie dem doppelten margin auf der float-Seite. Das sind eindeutig Fehler und Bugs. Fehler und Bugs sind aber nicht nur im IE zu finden.

Und ich bin kein IE-Fan! Wenn ich nicht gerade Internetseiten teste, surfe ich mit Firefox. Aber bevor man z. B. das Boxmodell-Chaos dem IE anlastet, sollte man vielleicht doch mal nachdenken.

Das Problem des IE ist halt seine Marktführerschaft. Weil der IE beim Windows eben mit drauf ist, nutzen den gerade die Leute, die gar nicht verstehen, wovon wir hier reden, und die ihren Browser nie updaten. Der Firefox bringt ein neues update, und nach ein paar Wochen ist das Problem erledigt. Ein IE6 bleibt dagegen so, wie er eben beim Kauf des Computers drauf war. Und damit müssen wir eben leben.

Wenn ich diese Leute erreichen will, muss ich halt meine Seiten so gestalten, dass sie auch im IE6 ordentlich dargestellt werden. Und das ist eigentlich ganz einfach, deshalb werden die Internetseiten, die ich zur Zeit mache, bis runter zum IE 5.5 getestet.

Weil der Browserkrieg den normalen Internet-Nutzer nicht interessiert.

Donnerstag, 6. März 2008, 08:59 Uhr

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