Mindestlohn – die unendliche Geschichte

Eigentlich wollte ich mich ja zu politischen Themen hier nicht äussern. Aber die unendliche Debatte um Mindestlöhne geht mir mittlerweile derart auf die Nerven, dass ich es nun doch nicht lassen kann.

Irgendwie merkt man, dass die grosse Koalition so langsam die nächste Wahl über die gemeinsame Aufgabe stellt. Da kommt die unendliche Geschichte mit dem Mindestlohn gerade recht, um sich zu profilieren.

Was da so an Vorschlägen kommt, ist an Merkwürdigkeit kaum noch zu überbieten. Da wird von Mindesteinkommens-Sicherung gefaselt, was heissen soll, dass Leute, die von ihren Arbeitgebern mit einem Hungerlohn nach Hause geschickt werden, vom Arbeitsamt (oder wie auch immer das gerade mal heisst) einen Zuschuss bekommen.

Ja haben die denn noch alle? Da lasse ich doch sofort meine Bude von anderen putzen, meine Wäsche von anderen waschen und zahle 10 Cent die Stunde, den Rest zahlt ja das Arbeitsamt! Da wird doch der Lohndrückerei Tür und Tor geöffnet. Und wer zahlt das alles? Wir, die wir unser Geld alleine verdienen, und die Arbeitgeber, die einen anständigen Lohn zahlen. Und zwar mit unseren Steuern und Sozialabgaben!

Wer seine Leute anständig bezahlt, wird dann aber auf Dauer nicht wettbewerbsfähig sein, weil er die Preise nicht halten kann, die seine Wettbewerber, die Niedriglohn zahlen, machen können.

Ein weiterer Witz zur Sache ist die branchengebundene Einführung von Mindestlöhnen. Na hallo, haben wir das nicht schon seit Jahrzehnten? Heisst das nicht Tarifvertrag oder so? Ich habe nichts gegen branchengebundene Mindestlöhne, das ist doch aber nicht das, woum es geht!

Es geht darum, dass man, wenn man andere für sich arbeiten lässt, unabhängig von der Branche verdammt nochmal einen Lohn zu zahlen hat, von dem man in Deutschland leben kann. Jedenfalls wenn man so um die 180 Stunden im Monat arbeitet.

Wenn in einer Branche die Arbeit so schwer ist, dass ein höherer Mindestlohn angemessen ist, nur zu, kein Problem, aber darum kann es doch nicht gehen in der politischen Debatte um einen Mindestlohn!

Mindesteinkommens-Sicherung ist Sache des Sozialamtes, aber bitte nicht für Leute, die Vollzeit arbeiten. Die hat der Arbeitgeber zu bezahlen, und zwar so, dass mehr dabei herauskommt als der Sozialhilfesatz oder Hartz 4. Dafür muss es einen branchenunabhängigen Mindestlohn geben. Alles andere ist Wettbewerbsverzerrung, Ermunterung zu Lohndumping oder eben vorgezogener Wahlkampf.

Montag, 17. Dezember 2007, 18:39 Uhr

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