Tour de France 2007 – Ausblick
Das interessanteste an der Tour de France 2007 könnte werden, wer mitfahren darf. In den letzten Tagen haben sich immer mehr ehemalige und aktive Radprofis entschlossen, ihre Doping-Verstrickungen öffentlich zu machen. Heute waren Eric Zabel und Rolf Aldac an der Reihe. Morgen will sich Bjarne Rijs äussern.
Das fängt ja zeitig an dieses Jahr. Als das Thema 2006 hochkochte, waren die Verdächtigen schon zur Tour angereist. Dieses Jahr bleibt noch genug Zeit, die Erwischten und die Geständigen schon im Vorfeld auszusortieren.
Die Geschickten und Cleveren dürfen dann fahren.
Was soll das ganze eigentlich? Die beliebteste Frage an Leistungssportler auf Pressekonferenzen ist: "Haben Sie jemals leistungssteigernde Mittel genommen?". Was soll denn ein Sportler auf so eine Frage antworten? Was ist ein leistungssteigerndes Mittel? Eine gehaltvolle Portion Spaghetti, ein Früchteriegel mit Schokolade, eine Dose Coca Cola mit überdurchschnittlich viel Zucker?
Oder ein Asthmaspray, das verbotene Substanzen enthält, aber bei ärztlicher Bescheinigung von Asthma verwendet werden darf?
Noch schwieriger dürfte es werden, wenn Sportärzte einen Körper für den Wettkampf fitmachen, was ist erlaubt und was nicht, wer sieht da noch durch?
Mein Lieblingskabarettist Volker Pispers hat es in einem seiner Programme auf den Punkt gebracht:
… Das sind doch erwachsene Menschen, lasst die doch nehmen, was sie wollen. Aber sie sollen auf ihr Trikot schreiben, was sie genommen haben, dann sieht man im Ziel wenigstens, was funktioniert und was nicht. Und das, was funktioniert, können wir dann ja vielleicht mal unseren Politikern verschreiben …
Ich bin wirklich gespannt, was sich in den verbleibenden 6 Wochen bis zum Start der Tour de France noch tut. Im Augenblick beichtet noch jeder für sich, keiner sagt etwas über den anderen. Das kann sich vielleicht ändern, wenn die Geständigen von der Tour ausgeschlossen werden, und genau wissen, dass die anderen das gleiche machen, aber eben die Klappe halten.
Interessant ist auch die Aussage von Herrn Peter Michael Diestel. Der war bis heute mittag der Anwalt von Jan Ullrich, gegen den zur Zeit ein Ermittlungsverfahren u. a. wegen Betrugs läuft:
Wenn sich herausstellt, dass alle gedopt haben, ist der Vorwurf des Betrugs gegenstandslos, so Diestel, der nach neuesten Nachrichten heute sein Mandat niedergelegt hat.
Ich glaube nicht, dass es jemals gelingen wird, eine klare Grenze zwischen sportärztlicher Betreuung und Doping zu ziehen. Es sollten einfach Grenzwerte festgelegt werden, z. B. beim Hämatokritwert. Wenn ein Sportler diese Werte überschreitet, wird er aus dem Rennen genommen, ohne sport-, zivil- oder strafrechtliche Konsequenzen. Wie es zur Überschreitung der Werte gekommen ist, interessiert nicht. Er kann ja dann seinen Arzt verklagen.
Wenn die Werte wieder in Ordnung sind, darf er am nächsten Rennen wieder teilnehmen. Dann wird die Tour de France vielleicht wieder interessanter als die Tage und Wochen davor.
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Donnerstag, 24. Mai 2007, 19:21 Uhr
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