Eurovision Song Contest 2007
Der Eurovision Song Contest 2007 ist gelaufen. Ich glaube, dass die Ergebnisse der Abstimmung eher für Migrationsforscher interessant sind, die sich mit der neuen Völkerwanderung in Europa beschäftigen, als für Musikliebhaber.
Zum einen ist die Ergebnisliste eher ein Spiegel der Befindlichkeiten zwischen den Völkern und Nationen Europas, als eine Bewertung der musikalischen Qualität der Beiträge. Das erkennt man z. B. daran, dass Griechenland jeweils 12 Punkte aus Zypern und Bulgarien bekommen hat, während sich die Türkei mit jeweils 0 Punkten aus diesen Ländern begnügen musste.
Zum anderen wird hier die neue europäische Völkerwanderung deutlich. Ein grosser Teil der Stimmen, die nicht musikalisch begründet waren, kam ganz sicher von Türken und Osteuropäern, die in Westeuropa leben, von Deutschen, die in Spanien residieren oder in Österreich arbeiten, von Russen, die in den baltischen Staaten leben, von Serben aus Macedonien usw.
Zum Beispiel ist interessant, dass sich die zerfallenen Reiche des ehemaligen Ostblocks (Sowjetunion und Jugoslawien) doch noch gut genug leiden können, um sich gegenseitig die Stimmen zuzuspielen. Oder profitiert vielleicht, nur so als Beispiel, Russland davon, dass noch viele Russen in den ehemaligen Sowjetrepubliken (wie z. B. den baltischen Staaten) leben, und umgekehrt?
Die wenigen Punkte, die der deutsche Beitrag abbekommen hat, kamen aus den Nachbarländern, speziell Österreich und Schweiz. Wenn Sachsen, Bayern, Brandenburg usw. eigene Beiträge starten könnten, wären bestimmt bessere Ergebnisse drin. Vor allem für Sachsen, denn die sind ja bekanntlich überall. Ich bin selbst gebürtiger Sachse, meine Familie hat ihre Wurzeln in Sachsen, das nur, um bösen Kommentaren vorzubeugen
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Der deutsche Kommentator hat sich ausdrücklich bei Spanien bedankt, für die 5 Punkte. Da hätte er sich wohl eher bei den deutschen Residenten bedanken sollen, vor allem auf Mallorca
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Die Türkei hat da natürlich bessere Karten. 5 x 12 Punkte aus westeuropäischen Ländern, auch aus Deutschland, da wird wohl ein grosser Teil der Anrufe nach Kreuzberg zurückzuverfolgen sein. Da sollten doch diejenigen Stimmen verstummen, die die Gründe für das Abstimmungsverhalten in kultureller Verwandtschaft und ähnlichem Musikgeschmack verschiedener Völker suchen. Zumindest bei den jeweils 12 Punkten aus Belgien, Frankreich, England, den Niederlanden und Deutschland für die Türkei schliesse ich das mal aus. Das hat wohl doch eher etwas mit Völkerwanderung zu tun.
Da Deutschland 0 Punkte aus der Türkei erhalten hat, gehe ich davon aus, dass sich noch nicht allzu viele Deutsche in Antalya niedergelassen haben und die Urlaubssaison noch nicht im Gange ist. Vielleicht sollte der Eurovision Song Contest in den August verlegt werden, dann hätten die Briten und wir Deutschen bestimmt bessere Ergebnisse, z. B. in der Türkei, in Spanien und in Kroatien. Oder in den Februar, dann wären wir noch besser in Österreich und in der Schweiz vertreten, wegen der deutschen Kurzurlauber, die da Ski fahren und abends beim apre Ski bestimmt in Scharen auf die dumme Idee kommen würden, für das Heimatland anzurufen.
Besonders interessant scheint mir die Punkteverteilung in Österreich zu sein: 12 Punkte für Serbien, 10 Punkte für die Türkei, 8 Punkte für Bosnien-Herzegowina und 7 Punkte für Deutschland. Das scheint mir ziemlich genau der Gastarbeiterstruktur in Österreich zu entsprechen, denn in den letzten Jahren haben viele Deutsche Arbeit oder einen Ausbildungsplatz z. B. in der österreichischen Gastronomie gefunden. Die können nicht jedes Wochenende nach Hause fahren, aber eben in Österreich für Deutschland anrufen. Allerdings sprechen die 0 Punkte für Slowenien gegen meine Theorie.
Ist Euch eigentlich aufgefallen, dass ich bis jetzt noch nicht auf die Musik eingegangen bin? Nun, das liegt vielleicht daran, dass das nicht weiter der Rede wert ist. Es ist doch relativ egal, ob ein Beitrag aus Russland oder aus England, aus Deutschland oder Irland, aus der Ukraine oder den Niederlanden oder … kommt. Wenn man das nicht ansagen würde, könnte man das gar nicht zuordnen, meistens jedenfalls. Wenigstens hat Deutschland einen Beitrag in deutscher Sprache gebracht, hat aber auch nix geholfen.
Es wird wohl noch eine gehörige Zeit dauern, vielleicht mehrere Generationen, bis wir uns alle als Europäer fühlen, solche Veranstaltungen als einen eurpäischen Wettbewerb sehen und nationale Befindlichkeiten ihre Bedeutung beim Abstimmverhalten verlieren. Ganz wird das wohl nie der Fall sein, die Unverbesserlichen sterben nie aus. Schon bei einem deutschen Song Contest (warum schreibe ich eigentlich nicht "Liederwettbewerb"?) könnte ich mir vorstellen, dass Lokalpatriotismus bei einer telefonischen Abstimmung die Ergebnisse beeinflussen würde.
Es wurde teilweise laut darüber nachgedacht, ob diese Art der Abstimmung überhaupt noch Sinn macht. Ich denke, wenn man diese jährliche Show unbedingt weiter laufen lassen will, sollte man vielleicht auf die Abstimmung ganz verzichten. Dann könnte man (wie die meisten Punkteverkünder) am Ende einfach nur sagen: "Thank you for the great Show", und das wars dann …
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Sonntag, 13. Mai 2007, 17:51 Uhr


